Baltikum

Als die Sovietunion die Baltischen Staaten nach dem Hitler-Stalin Pakt praktisch annektiert haben, war die Reaktion der Welt verhalten. Eine Protestnote auf einer halben A4 Seite haben wir im Okkupationsmuseum in Riga gesehen. Es wurden daraufhin tausende Esten, Letten und Litauer in die Gulags verschleppt. Die Deutschen wurden daraufhin zumindest von einigen willkommen geheißen, haben dann aber ebenso verschleppt, gemordet und unterdrückt. Das System der Nazis war vom ersten Moment an menschenverachtend und darin effizient. Das Leid der Menschen, die Zerstörung und der Widerstand ist in den Museen in Riga, Tallin und vermutlich auch in Vilnius eindringlich dargestellt. Dieses Bewusstsein der Geschichte der baltische Staaten schadet dem Verständnis von Land und Leuten nicht.

Die drei Republiken sind sich in dieser Beziehung ähnlich und doch so unterschiedlich, dass schon die ersten paar Meter nach der Grenze auffällig anders erscheinen. Estland hat sich nach unserem Eindruck die Offenheit der hanseatischen Handelsbeziehungen erhalten, korrekt mit einer großen Liebe zum Detail und einem guten Gespür für ein gutes Geschäft. Die Letten sind misstrauischer, auch dem eigenen Staat gegenüber und haben sich einen pragmatischen zivilen Ungehorsam erhalten. Alle Randgruppen der Gesellschaft treten in Lettland im öffentlichen Leben auf und eine Begeisterung für die Kunst und insbesondere Musik fällt sofort ins Ohr. Esten sind im Vergleich mit den großzügigeren Letten wohl Erbsenzähler, daher haben die Esten wirtschaftlich unter allen dreien die Nase vorn. In Litauen haben wir den baltischen Süden besucht. Aus den beiden nördlichen Nachbarländern strömen Gäste an die Strände. Die Preise sind günstig und die Angebote auf regionalen Tourismus ausgelegt. Von Litauen fehlt uns mit dem Landesinneren und Vilnius aber doch zu viel um ein besseres Bild zu erhalten.

Der Umgang mit der Natur und die Zugänglichkeit der Natur und Nationalparks, aber auch den Stränden, für alle als Commons oder Allmende ist in allen baltischen Staaten ähnlich. Balte wie Tourist ist eingeladen sich ohne Konsumzwang gratis einen Stellplatz an den schönsten Plätzen zu suchen und findet darüber hinaus noch einfache Sanitäranlagen, Grillplätze mit Feuerholz und überdachte Tische und Bänke vor, manchmal auch WLAN, ein Menschenrecht für alle Balten.

Die Landschaften vereinen das Beste der sonstigen europäischen Naturräume einschlieslich der skandinavischen. Traumhafte Strände und die Ostsee, unberührte Kiefern- und Mischwälder, bestens gepflegte Landwirtschaften, Aulandschaften und urbane Hauptstädte. Einzig die Berge fehlen den Balten.

Insbesondere die Sandstrände müssen den Adriabesucher an eine Wiederkehr denken lassen. Solche Strände waren früher einmal zwischen Triest und Rimini zu finden – heute? Dazu kommt, dass die Ostsee heute ökologisch beobachtet wird, was schon 1974 von den Anrainerstaaten vereibart wurde. Es ist allso noch wenig verbaut und unwiederbringlich verändert und daher können wir nur empfehlen, mit dem Fahrrad hinfahren und ansehen.

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Über klausjerlich

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