Gefüllte Ziege für ca. 100 Personen

Man lade ca. 100 Personen zu einem Fest des Feuers (und der Freunde) und binde die Gäste in verschiedene Aktivitäten zum Thema ein, wie etwa einen Kohlenmeiler bauen oder einer heißen Band zuhören, damit Gäste aller Altersstufen und Vorlieben kurzweilige Stunden verbringen können.

Zutaten (bio oder noch besser, wenn möglich) :
1 steirische Scheckenziege, 6 Monate alt, gut abgehangen
1 Truthan
1 Fasan
20 Wachteleier
100 Datteln
20 Bananenblätter
1 Flasche Cognac
noch eine Flasche Cognac (für alle Fälle)
diverse Gewürze

Bereits einen Tag vor dem Fest grabe man ein Feuerloch und errichte ein großes Lagerfeuer; so groß, dass die Grube in ein Flammenmeer verwandelt wird. Die Ausmaße der Grube orientiere sich sinnvollerweise am vorgesehenen Gargut, sodass ausreichend Glutraum (ca. 10-20 cm) allerseits verbleibe. Die Tiefe entspreche etwa der Dicke des Gargutes, der Aushub verbleibe rundum nahe der Grube. Es ist ratsam die Feuersbrunst über mindestens 2 Stunden lodernd zu halten, damit der anstehende Boden bestens vorgewärmt wird und Feuchtigkeit verdampft. Die Wahl der Grubenlage orientiere sich ebenso an möglichst trockenen Verhältnissen.

Der erfahrene Chef der Erdgrube vergesse keinesfalls auf den Wasserbau und errichte Ableitungsmulden für den Wasserfall! Nach getaner Arbeit reinige das Küchenpersonal Minibagger und Mischmaschine und verstaue diese essentiellen Küchengeräte zweckdienlich. Ölbindemittel sind in der Küche jedenfalls bereitzuhalten.

Man vermenge nun eine Füllung aus alten Semmeln, Eiern, etwas Mehl, Milch und feinem Cognac und würze mit Salz und feinsten Kräutern. Die Wachteleier separat hart kochen und mit den entkernten Datteln der Füllung beimengen. Den Fasan hiermit füllen, den Truthahn mit dem gefüllten Fasan füllen, sodann die steirische Scheckenziege mit dem gefüllten Truthahn füllen sowie etwaige Hohlräume mit der verbleibenden Füllung.

Die gefüllte Ziege sodann mit Draht zu einem kompakten Paket verschnüren, wobei sich empfiehlt nicht sonderlich zimperlich mit den abstehenden Extremitäten umzugehen und diese zum Abdichtung gefährdeter Baubereiche heranzuziehen. Wenn einzelne Extremitäten dabei verloren gehen liegt das möglicherweise an der langen Garzeit der Hauptattraktion. Diese Teile tauchen verhofft als Zwischenmalzeit wieder aus nahen Backrohren auf. Es empfiehlt außerdem sich eine ausreichend große „Opferschicht, beispielsweise ein Schweinsschwarte“ vor der gefüllten Bauchhöhle zu fixieren. Diese liegt später gefährdet nahe an der unmittelbaren Grenze zum Glutraum und verbrennt wahrscheinlich.

Neben der nun nicht mehr lodernden Feuerstelle ein Drahtgeflecht für den Transport zu- und von der Feuerstelle ausbreiten. Die Bananenblätter darauf flächig auflegen. Dann eine ca. 3 cm dicke Lehmschicht (aus deutlich plastischem Lehmboden) geschlossen und flächig ausbreiten, womit später die gefüllten Ziege bedeckt werden soll. Auf die Lehmschicht gleichmäßig Gewürze verteilen.

Die gefüllte Ziege zentral auf den Lehm betten und mit dem Drahtgeflecht und den Bananenblättern den vorbereiteten Mantel rund um die Ziege schließen. Löcher sind mit Lehm zu verschließen und der ganze Mantel ist mit etwas Wasser glattzustreichen. Zur Freude über die gelungene Umhüllung mit den Helfern anstoßen und den Flüssigkeitsverlust mit Elektrolyten ausgleichen denn, es folgt die heiße Phase.

In der glühende Grube eine Mulde räumen in der die gefüllte Ziege Platz finden kann. Es empfiehlt sich eine möglichst lange Lederschürze, Lederschuhe und Lederhandschuhe zu tragen. Die heiße Glut rund um die Mulde anhäufen, damit diese nachher wieder über das Gargut verteilt werden kann. Die gefüllte und verpackte Ziege am Drahtgeflecht anheben und in die Glut einbetten. Die ringsum angehäufte Glut andecken und mit dem Erdaushub das Feuerbett weiter einschließen. Einige Zeit kann nun weiter Brennholz zugeführt werden, wobei Stöße von nun an tunlichst zu vermeiden sind.

Auf die Uhr sehen und die Entnahme nach ca. 16 Stunden anberaumen. Den Helfern Dank aussprechen und den fortgeschrittenen Flüssigkeitsverlust wiederum ausgleichen.

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Nach Ablauf der Frist die glühenden Kohlen vorsichtig beiseite streichen und die gefüllte Ziege mit dem Drahtgeflecht auf eine vorbereitete Platte legen. Das Drahtgeflecht an einer Längesseite entfernen und das Gargut sanft um 180 Grad drehen, sodass Oberstes  unten und Unterstes oben liegt. Den Tonmantel hiernach vorsichtig entfernen.

Die Düfte der fertiggegarten Ziege erreichen in diesem Moment die Geruchsrezeptoren des Hauptprojektverantwortlichen in angenehmster Weise und nach feinsten Kräutern und Cognac duftend. Eine leicht rauchige Note kann nach der ersten Kostprobe ausgemacht werden.

Im Dienste der Ästhetik ist die gefüllte Ziege nun mit äußerster Vorsicht und Fachwissen zu tranchieren. Auf ein Schneidwerkzeug kann im Wesentlichen verzichtet werden, weil gerade die Konsistenz des Gargutes an Zartheit nicht übertroffen werden kann. Da dies aber bei unsachgemäßer Handhabe bald zu einem zerschlissenen Ergebnis führt, (was in moderner Eventgastronomie heutzutage gern gesehen wird aber wir hier nicht kommentieren wollen) legen wir äußerstes Augenmerk auf dieses Detail. Alle Knochen fallen bei dieser Garmethode schlicht aus dem Bild und erfordern daher keine weitere Detailbeschreibung. Wenn die rauchige Note dichter und aufdringlicher wird, so hat man alsbald die unterste Schicht erreicht, bei der die Glut Oberhand gewann und der zufolge eine ca. 1 – 2cm cm dicke Schicht als geopfert gelten muss. Dieser Anteil geht für die Ahnen später in die Verfüllung der Grube ein.

Die Begeisterung an der gefüllten Ziege für ca. 100 Personen ist nachweislich bekundet worden. Dank gilt allen die das Experiment ermöglich haben und den vielen Helfern bei Vorbereitung und Durchführung.
Dank retrospektiv auch an Mungo P. und den Schriftsteller T. C. Boyle, der dessen Erlebnisse im Roman Wassermusik festgehalten hat und Ideenspender hierfür war.

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… als Beilage Krautsalat servieren …

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Über klausjerlich

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