Mohrenwirt neu

Es ist nicht notwendig den Mohrenwirt (Mariahilferstraße 16, Graz) aus vergangenen Tagen zu kennen. Die Stammgäste scheinen dem Lokal die Treue gehalten zu haben und sind unschwer in der neuen Mischung von Bekanntem, Neuem und Bizarrem auszumachen.

Im Herbst 2015 wurde im Lokal renoviert und die Fenstergucker waren gespannt auf die Neugestaltung. Auffällig ist dabei die geringen Eingriffe in das Mobiliar. Die Aufteilung des Lokals und die Bar sind im wesentlichen gleich geblieben und auch die Lamperie umrahmt beide Gasträume wie gehabt. Davor wurde der Windfang als gläserner Verbau gestaltet, was einen offeneren ersten Eindruck der Bar erlaubt. Keine verwinkelten Stammtische mehr, sondern freundlich überschaubares Ambiente.

Im zweiten Raum sind neben den vertrauten Tischkojen vor allem die freigelegte Decke zu bewundern und die spartanisch wie bizarre Ausstattung mit Bildern. Die Decke zeigt unkenntliche Reste eine Deckengemäldes wobei die Farbmischung und die Beleuchtung die Blicke immer wieder nach oben zieht. Das weiße Band der Wand oberhalb der Lamperie indes zeigt uns Bilder religiöser, barocker und was weiß ich noch welcher Art. Der i-Tupfen ist das rote Herz an der Tür zu den Sanitärräumen. Neben der bizarren Bildauswahl ist auch noch die Musik zu erwähnen. Eine «Auswahl» umschallt die Gäste, welche dieselben wohl zuhause nicht im Programm haben. Die Kombination mit den vermeintlichen Stammgästen lässt sich eben auch als bizarr beschreiben.

Die Bewirtung nach einer Neueröffnung muss noch nicht ideal zusammengespielt sein. Verdursten oder verhungern zählt ja nicht zu den großen Gefahren unserer Zeit. Die Karte versucht an die Tradition anzuknüpfen aber auch die eine oder andere Augenbraue der Gäste zu bewegen. Neuland wird dabei aber keines vermessen und die Preise sind angeblich moderat höher als einst. Das Masala Huhn mit Polentaschnitten ware jedenfalls zart und wohl komponiert. Die Bitte nach einem Supplement der Masala Sauce wurde umgehend und nicht nur mit dem begehrten Nachschlag sondern auch mit einem wohlwollenden Besuch des Chefs quittiert. Es spricht für ein Lokal, wenn die handelnden Personen sich die Zeit nehmen um ein bisschen mit den Gästen zu plaudern.

Die Nachspeise hat mit dem regionalen Bezug der Käseauswahl gepunktet und erntet dabei nur eine Kritik, dass die Produzenten nicht genannt werden. Gut waren die Käse allesamt und das gereichte Brot war auch jenseits des aufgebackenen Einkaufszentrenbackbox Standards.

Die Zutaten scheinen also mit Bedacht gewählt zu werden, was zum besten zählt, dass man über ein selbstbewusstes Team sagen kann. Eine Empfehlung, 8020 Mariahilferstrasse 16!

Advertisements

Über klausjerlich

cyclist, recyclist, traveler, listener, talker...
Dieser Beitrag wurde unter Lokale - Gasthäuser - Spelunken veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s