SchotterReißenRennen – Warum, nicht ?

Eine Schotterhang, etwa 30 Grad steil, das lose Material weist einen idealen Korndurchmesser zwischen 10 und 50 mm auf und ruselt mit der geübten Bergwanderin mit ins Tal. 100 Höhenmeter innerhalb von wenigen Sekunden können dabei durchaus abgestiegen werden. Lustig, kräftesparend, gelenkschonend … und was noch ?

Was bewegt einen aber durch einen ausgesteckten Kurs unter Zeitnehmung einen Schotterhang hinunterzulaufen ? Was bewegt jemanden überhaupt, sich im Vergleich mit anderen zu messen und etwas möglichst schnell, möglichst riskant oder möglichst – wie auch immer, zu tun?

Ich frage mich, ob es überhaupt Gemeinsamkeiten zwischen  Wettstreiten unterschiedlichster Art und den verschiedenen Arten extremer körperlicher Betätigung gibt und wenn ja, in welchen Aspekten sich extreme Klettereien mit beispielsweise einer „extremen“ Ausformung des Bocciaspiels vergleichen lassen. Jenem Boccia- oder Petanque Spiel, welches in der obersteirischen Abart mit Holzprügel und einem Ziegelstein gespielt wird. Was hat das Ziel einen groben Holzprügel mittels Wurf möglichst nahe neben einem in einem Socken verhüllten Ziegelstein zu plazieren mit einer körperlichen Höchstleistung unter beträchtlichem Risiko zu tun hat. Dem einen droht der körperlicher Schmerz ohne Überlebensgarantie, dem anderen droht schlimmstenfalls die unbedingt mitzuführende Bierkiste zu tragen.

Um mit Gemeinsamkeiten zu beginnen, beide Beispiele sind vordergründig sinnlos – der gesellschaftliche Wert zumindest umstritten. Ein zeitgemäßer Generalverdacht, dass wirtschaftliche Interessen hinter all diesen Dingen stehen, ist für unser SchotterRennen und für den Extrem Boccia Sport nicht haltbar. Unser loses freundschaftliches Zusammenkommen zum 2ten unregelmäßig stattfindenden SchotterReißenRennen (das erste legendäre Rennen hat bereits 1996 auf der Türlspitzschotterrutsche stattgefunden) auf der Öfen-rechts Schotterrutsche fördert, wenn schon dann regionalökonomische Interessen, hauptsächlich den Erwerb von lokalen Spezialitäten und den Konsum derselben.

Nun, persönlich kann ich im rückblickend behaupten ich bin froh dabei gewesen zu sein (wenn auch nur als der vorgeschriebene Fotograf) und diese Freude teile ich sehr wahrscheinlich mit 100% der Teilnehmerinnen. Zweifelsohne stehen diesen Beweggründen jene gegenüber, die Ausüber der extremeren Betätigungen in der Notwendigkeit des Broterwerbs finden. Es will der zahlende Zuseher mit Höchstleistungen unterhalten werden, Verletzungen und der Tod sind Teil des Spektakels. Dabei dreht es sich oftmals für den Gladiator um gerade genug Einkommen, um die nächsten Projekte die nächsten Wochen und Monate das finanzielle Auslangen zu finden. Die wenigsten kommen in Verdiensthöhen, die auch nach der Karriere ein ausreichendes Einkommen mit der Verwaltung der einstigen Erfolge gerantieren. Häufiger beginnt dann der Ernst des Lebens mit der Sekundärnutzung der Bekanntheit. Vortragsreihen, Eventmarketing oder noch schlimmer pures Produktmarketin – sehr lustig! Es geht also bei den letzteren um das Ausüben der extremen Tätigkeit schlechthin. Die Belohnung liegt oft darin, sich immer wieder in den Grenzregionen des körperlich gerade noch möglichen zu bewegen.

Diese finanzielle Problematik kennt der Teilnehmer der SchotterReißenChallenge nicht, im Gegenteil errinnert sich die auserlesene Gruppe mit Vergnügen an die Tage, und das ist Belohnung genug. Und selbst wenn kein Teilnehmer die Erinnerung mehr teilt, so zeugen die Bilder und Berichte von einem Tage für den sich der Aufwand gelohnt hat und sie machen einen schöne Geschichte. Die Geschichte ist deshalb lebendig, weil alle Teilnehmer ohne weitergehende Hintergründe teilnehmen, keinen Sponsoren zu danken ist und man sich zwar vielleicht auf den Tag vorbereitet hat, aber keineswegs die gesamte Jugend oder seine Gesundheit geopfert hätte. Man tut sich manachmal weh, sicher, aber es ist ein Freizeit- und kein Arbeitsunfall.

Die Gemeinsamkeiten der gemächlichen und der extremen Variante ist also nicht im Glanz zu finden, sondern dahinter. In der Vorbereitung gemeinsamer Projekte, im Schaffen und Scheitern, in Glück und Leid, in der Vorfreude und in der Erinnerung an die Zeit. Und das beste daran ist, es ist keine völlige Aufopferung notwendig solches zu erreichen. Im Gegenteil ist zuviel gleich ein Risiko für die förderliche Leichtigkeit.

Womit ich am Ende meine Zeilen wäre, indenen ich zumindest ein paar Eckpunkte des legendären, unregelmäßig stattfindenden SchotterReißenRennens festnageln wollte. Für die Nachwelt und unsere nächste Challenge. Als Benchmark gilt die Premiere 1996. Damals handelte es sich um eine Normlänge auf welche auch folgende Parameter angepasst sind:

Allgemeines:
Es wird eine Laufzeit von ca. 50 sek angestrebt. Der Kurs wird mittels Zweigen, die als Torlauf passiert werden müssen, ausgesteckt. Es sind 2 Sprungwertungen vorgesehen, die mittels Rampe erkenntlich sein sollen. Ist das Gelände nicht geeignet für einen Lauf mit angestrebter Länge, so werden 2 Wertungsläufe ausgetragen.
Der Bewerbsfotograph oder die Fotografin hat sich mit ausreichender Anzahl von Kameras im letzten Drittel zu positionieren und ist für die Dokumentation der Kurvenlage und Air & Style verantwortlich. 2 unabhängige Zeitnehmungen sind angestrebt.
Nach dem Rennen sind alle nicht verrottbaren Utensilien ordnungsgemäß zu entsorgen.
Die Air & Style Wertung ist durch gemeinsames Abstimmen per einfacher Mehrheit zu entscheiden.

Wertungen:
Schnellste Zeit (allgemeine Klasse), Schnellste Zeit Mädchen, Schellste Zeit der Indigenen Bevölkerung
Air & Style Buben, Air & Style Mädchen

Strafen:
Torverfehlen 5sek bei 50sek Gesamtlaufzeit, equivalent weniger bei verkürztem Lauf

Über klausjerlich

cyclist, recyclist, traveler, listener, talker...
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