Presse 04.11.2012 – F. Schellhorn, Hungern für die Chefideologen

Franz Schellhorn schreibt in seinem Artikel „Hungern für die Chefideologen“ über Jean Ziegler und eine Studie der Weltbank über die Ernährungssicherheit in Afrika und teilt uns seine Meinung darüber mit. Als Stilmittel wird unter anderem zunächst eine (wirre) These aufgestellt „… dass der Westen nur seine Militärausgaben kappen müsse, um für die Hungernden endlich Nahrung kaufen zu können“ und diese einem unfassbaren Gegenüber (Jean Ziegler?) untergeschoben.

Als Kritik am „Chefideologen“ – Ziegler wirkt dieser Artikel bestenfalls naiv, weil die verkürzte und vereinfachte These dem Schweizer Soziologen offensichtlich unrecht tut, weil die Kritik Ziegler wesentlich differenzierter und spezifischer ist, was jederzeit in seinen und den Publikationen anderer nachgelesen werden kann. Dies erfordert natürlich auch den Willen und die Zeit sich mit dieser Kritik auseinanderzusetzen.

Die Weltbankstudie wiederum wird nicht näher spezifiziert aber zitiert. Ob Franz Schellhorn sich auf andere Quellen oder womöglich auch auf eigene Erfahrungen beziehen kann, wird nicht verraten. Der Ton des Artikels suggeriert große Erfahrung mit den Ländern südlich der Sahara. Als konkretes Beispiel dient Uganda, wo „…Landwirten auf ihrem Weg zum Marktplatz bei zahlreichen Straßensperren bereits 4/5 des erwarteten Verkaufspreises als Wegzoll abgeknöpft werden!“. Die Detailkenntnis (4/5! des Verkaufspreises) suggeriert ebenfalls wieder: Der F. Schellhorn weiß wovon er spricht – der kennt sich aus.

Meine eigene bescheidene Erfahrung in Uganda umfasst mehr als 1 Jahr Lebensmittelpunkt im Südwesten des Landes zur Jahrtausendwende und Kontakt mit Menschen in Uganda, der bis heute anhält. Ich glaube Hr. Schellhorn nicht. Sollte er sich auf die Weltbankstudie beziehen, dann glaube ich, dass er sie falsch zitiert. In Uganda mag es durchaus Straßensperren geben. Beispielsweise war die Grenzregion mit dem Sudan 2000 aufgrund des Bürgerkrieges im Südsudan und des Terrors der LRA stark überwacht und wahrscheinlich auch in Zonen aufgeteilt. Der von F.Schellhorn vermittelte Eindruck, Uganda sei flächendeckend mit Straßensperren überdeckt, ist falsch.

Was bleibt vom Artikel des F. Schellhorn? Eindrucksvoll widerspricht er den Thesen, die er eingangs zitiert und reibt sich die journalistischen Hände. Dass diese Thesen bestenfalls von wirren Zeitgeistern und vermutlich nicht von J. Ziegler vertreten werden, ist nebensächlich. Wir haben F. Schellhorn, denkt sicht die Leserin, und der weiß es besser.

Journalistische Wertarbeit und kompetente Meinung sieht für mich anders aus, erfordert vermutlich viel mehr Zeit als sich F.Schellhorn nimmt, bzw. ihm gegeben wird.

Dass er dabei auch Wahres aussagt, etwa Förderungen Europas Landwirtschaft und insbesondere den Agrarexport anprangert, wundert, findet er sich doch mit dieser Forderung neben dem Globalisierungskritiker J. Ziegler. Natürlich ist der lokale und regionale Markt für die afrikanischen Landwirte wichtig, und Hindernisse für diesen Markt sind zu kritisieren. Der freie Markt ist aber nicht die einzig notwendige Bedingung für die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Regionen und die bebaute Fläche kein hinreichender Kennwert für den Erfolg dieser Entwicklung. Das glaubt vielleicht das neoliberale Gesindel, von dem F.Schellhorn spricht.

Eine ganze Seite hätte diese Übung schlechten journalistischen Stils und trivialer Erkenntnisse des F.Schellhorn nicht benötigt.

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/supermarkt/1308440/SuperMarkt_Hungern-fuer-die-Chefideologen?_vl_backlink=/home/wirtschaft/economist/supermarkt/index.do

Über klausjerlich

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