Pretuler Tarockmarathon

„Ich liege mit einem  Besserrufer, dem Pik König, Uhu und Pagat Ultimo“ konnte man ab den frühen Abendstunden des 03. August im Pretulgraben hören, als der erste Pretuler Tarockmarathon um 17:00 Uhr mit einem symbolischen Startschuss auf dem Gelände der Feinerschmiede gestartet wurde. Das Tarockspiel hat eine lange Tradition in Österreich, wird aber in ganz Mitteleuropa in verschiedenen regionalen Varianten gespielt. Das Tarockspiel wird in allen Kreisen gespielt, so haben angeblich Mozart, Strauss und Brahms, Torberg, Musil und Altenberg das Spiel geschätzt. Legenden ranken sich, wie so oft, auch um die Bedeutung des Tarockspiels in politischen Kreisen im Umfeld von wichtigen Verhandlungen, aber um diese Legenden soll es heute hier nicht gehen. Fakt ist, dass beim 1. Pretuler Tarockmarathon 21 Teilnehmer, 10 Frauen und 11 Männer, im Alter von 12 bis 68 Jahren teilnahmen. Das Aufeinandertreffen der Spieler wurden durch die Sponsoren Piatnik sowie der Uniqua Versicherung unterstützt.
Der Marathon wurde sozusagen in der Königsdisziplin, dem Königrufen, gespielt. Neben den üblichen Farbkarten, Herz, Karo, Pik und Kreuz fallen dem unkundigen Zaungast einer Tarockrunde vor allem die schön anzusehenden Karten römischen Zahlen I bis XXI ins Auge. Zusammen mit dem „Gstieß“ stellen diese die Besonderheit des Spiels dar, manche von ihnen tragen sogar eigene Namen, wie der Mond (XXI), der Pagat (I), der Uhu (II) sowie der Pelikan (III). Der Gstieß ist dabei die Karte mit dem höchsten Tarockwert (XXII), sieht dem Jolly ähnlich und wurde in einer historischen Spielvariante als negativ zählende Karte in einen Stich gespielt, woraus sich die Redewendung „er hat den Gstieß“ gehalten hat. Dieses Ausspiel wurde gleichzeitig mit einer Entschuldigung „excuse moi“ oder schlampiger „sküß“ oder eben das heute übliche „Gstieß“ begleitet, da ja der negative Wert zu beklagen war. In der heutzutage in Österreich gespielten Variante ist dies eigentlich nicht mehr notwendig, denn der „Gstieß“ ist heute zumeist der höchste Trumpf und zählt gleich viel wie ein König.
Es würde an dieser Stelle zu weit führen die Regeln im Detail zu erklären, nur soviel, dass die Tarockkarten – die römischen Ziffernkarten – als 5te Farbe im Spiel als Trumpf gelten und die spezifisch Österreichische Spielart speziellen Wert auf die letzten Stiche legt,  welche mit speziellen Karten gestochen werden sollen. Ach ja, und da ist auch noch der Kavall, der sich im Kartenwert zwischen die Dame und den Buben drängt und hoch zu Ross abgebildet ist.

Müßig zu sagen, dass Tarockspieler von ihrem Spiel begeistert sind. Aus welchen Gründen sollte man aber 48 Stunden ohne Pause, wie beim 1sten Pretuler Tarockmarathon, durchhalten? Ortskundige könnten einwerfen, dass dies wohl mit der Eigenheit der Bewohner des Pretulgrabens zusammenhängen möge und das wäre schon insofern nicht ganz von der Hand zu weisen, als die Teilnehmer und Teilnehmerinnen einen Bezug zu diesem Ort nicht verleugnen können, manche mehr und manche weniger.

Nun die Idee dazu wurde natürlich von einer Tarockrunde geboren, wahrscheinlich irgendwann zwischen 1 und 2 in der Früh. Der Gedanke leitet sich aber von einer allen Spielerinnen und Spielern gemeinsamen Erfahrung ab, jener nämlich, dass schon wieder 2 in der Früh sei, wo man doch gerade erst angefangen hat zu spielen (nach der Jause um ca. 16:00) und die Flasche Wein (die 5te) ja noch halb voll sei. Wo war die Zeit hingekommen und kann es sein, dass die letzten 10 Stunden ohne zunehmende Müdigkeit vergangen waren?
Es ist ein unerklärliches Phänomen, dass die Zeit beim Tarockspiel eine andere Wahrnehmung erfährt und eben dieses Phänomen gehörte so weit an die Spitze getrieben, wie möglich. 48 Stunden, ohne Pause!
Nun gibt es berufenere Teilnehmer um über das Ergebnis des Tests zu berichten. Mit nur 5 Stunden Spielzeit und diese bei Tageslicht, kann man sich nicht als Speerspitze dieser ernsthaften Untersuchung fühlen, haben doch die eifrigsten Spieler fast 24 Stunden am Spieltisch verbracht, wobei der Median der Spielzeit bei 7.5 Stunden lag.
Der Marathon wird als gendergerecht in die Geschichte eingehen, zumindest die verbrachten Stunden sind mit 93,4 und 98,6 für Frau respektive Mann sehr ausgeglichen. Der Stundenlohn für die absolut erfolgreichste Spielerin, die Tarockmeisterin 2012, war 70c/Stunde wobei auch der effektivste Spieler mit immerhin  1,41 €/Stunde einen beruflichen Wechsel ins professionelle Zockerfach noch überdenken sollte. Die Verluste teilten sich übrigens gleichmäßiger auf als die Gewinne und so hat der größte Pechvogel nur ca. 60% soviel verloren wie die größte Gewinnerin gewonnen hat. Dies könnte gesellschafts-philosophisch so gedeutet werden, dass der Verlust sozialisiert wurde und die Gewinne konzentriert. Das kommt einem doch irgendwie bekannt vor!
Da es also beim Tarockspiel wie auch im Leben oft ums Geld geht, sei hier auch noch der gesamte Umsatz des Spiels erwähnt, es wurden insgesamt ca. € 100 umgesetzt und der höchste Gewinn betrug ca. 10% des Umsatzes. Für das Finanzamt in Österreich wäre angeblich und interessanterweise nichts zu holen, weil das Tarockspiel ein Geschicklichkeitsspiel und kein Glückspiel sei, so eine unverbindliche Rechtsauskunft (gelesen in Wikipaedia zum Thema Tarock).
Für die informierten Leser kann hier auch eine Auskunft über die Verteilung von Valat  Spielen – also Spiele, wo ein Spieler oder 2 miteinander spielende Partnerinnen alle Stiche machen – gegeben werden. Statistisch gesehen kommen diese Ereignisse alle 12 Stunden vor.
Als weitere interessante Erfahrung beim Dauertest kann berichtet werden, dass die Spielbegeisterung nicht nachlässt, trotzdem sich die Aufmerksamkeit bereits zu Bett begeben hat. Nicht anders ist zu werten, wenn einer der erfahreneren Spieler nach mehreren Stunden am Tisch die Regel wer bei negativ Spielen auspielt und die ebensosehr kundigen Mitspieler erst gemächlich auf den Fehler aufmerksam werden. Man spielt gemeinsam, man trinkt gemeinsam, man wird gemeinsam müde und am Ende fühlt sich stolz dabei gewesen zu sein, beim 1sten Pretuler Tarockmarathon.

Über klausjerlich

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Eine Antwort zu Pretuler Tarockmarathon

  1. Traudl Jerlich schreibt:

    Mit Vergnügen dem Lauf des Geschehens und den damit verbundenen Gedankenwegen gefolgt und fest entschlossen (trotz fortgeschritteneen Alters) beim nächsten mal einen Einstieg zu wagen 🙂

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