30.05.1992, Deutschmatura

Wer kann sich nicht an die Zeiten erinnern, als verwegene Kapitäne mit ihren Raumschiffen durch das All zogen, um fremde Welten zu erforschen und neue Intelligenz zu finden? Wie gebannt sitzen Kinder und Jugendliche vor dem Fernsehschirm und verfolgen die Geschichten. Manch einer wird sagen, jene Serien sind zu unglaubhaft, doch hat nicht die Realität die Fiktion schon längst überholt?

In die Zukunft sehen war immer schon ein Traum der Menschheit, und in unserer heutigen Zeit wird dieser Traum in manchen Bereichen Wirklichkeit. Großrechner mit unglaublicher Leistung können Voraussagen treffen, die zu einem hohen Prozentsatz auch zutreffen. Einige Prognosen können aber auch leicht mit dem menschlichen Verstand gemacht werden. Das Transportwesen, sprich Auto, Flugzeug, Bahn, stellt heutzutage die Basis für Industrie, Wirtschaft aber auch für den einzelnen dar. Verbrennungskraftmotoren, mit herkömmlichen Treibstoffen wie Benzin und Diesel, werden in dieser Beziehung hoffentlich bald veraltet sein. Der Trend geht auch heute schon in die Ausnützung alternativer Energien. Der Grund für diesen noch zu vollziehenden Wandel liegt auf der Hand. Abgasemissionen, Lärmbelästigung und tausende Verkehrstote verlangen neue Transportarten im öffentlichen wie auch im individuellen Verkehr. Patentlösungen gibt es jedoch wie so oft keine. Kompromisse müssen geschlossen werden, um weiterhin miteinander auszukommen.

Meiner Meinung nach muss sich das Bewusstsein ändern, um verantwortlicher gegenüber anderen zu werden und vielleicht sogar Abstrich der eigenen Freiheit in Kauf zu nehmen.

Ein Weg, um die Umweltbelastung durch Verbrennungskraftmotoren einzudämmen, ist sie zu vermeiden. Grundvoraussetzung dafür ist das Kommunikationsnetz. Wenn eine Person mit einer anderen Person über Bildtelephon oder andere Einrichtungen kommunizieren kann, so ist es nicht mehr notwendig, sich persönlich zu treffen. Primär betrifft dies Industrie und Wirtschaft. Um die Situation im Reiseverkehr zu verbessern, müssten vernünftige Konzepte mit flexibleren Urlaubszeitenerdacht werden. Halbleere Flugzeuge und auch Autos müssen in Zukunft vermieden werden.

Ein weiterer Aspekt ist, ob und wie sich unser Alltag in der Zukunft verändern wird. Natürlich spielt in diesem Bereich auch der Verkehr eine Rolle, doch gemeint ist – wie Arbeits- und Freizeit verbracht werden. Schon jetzt wird die Zeit, die man am Arbeitsplatz verbringt, ständig kürzer. Betroffen sind vor allem Pensionisten, die sich nach einem Leben voller Arbeit nicht an das “Nichtstun“ gewöhnen können. Ausweg aus der Lethargie muss schon während des Arbeitens in zahlreichen Hobbies gefunden werden.

Auch das Konsumverhalten wird sich durch neue Möglichkeiten verändern. So ist es heute schon möglich, von zuhause über einen Computer einzukaufen. Ziel soll diese unpersönliche Art und Weise aber keinesfalls sein, sondern vielmehr ein Mittelweg zwischen effizienter, schneller Bedienung und persönlicher Beratung und Service.

Die größter Herausforderung in der Zukunft wird sein, wie wir alle mit unserem Planeten, der die längste Zeit einmal blau war, umgehen werden. Werden wir eine lebenswerte Umwelt oder eine „Un-welt“ für unsere Nachkommen hinterlassen?

Unser verantwortungsloses Verhalten wird unserer Generation vielleicht noch nicht auf den Kopf fallen, irgendwann jedoch werden die Auswirkungen für jeden spürbar werden.

Nirgendwo sonst sind die Ziele so genau definiert wie im Bereich des Umweltschutzes, doch während der kleine Mann Abfälle trennt, Umweltschutzpapier verwendet, Batterien sammelt, Aluminiumdosen meidet, vertrauen Politiker an verantwortungsvollen Stellen auf ihre Nachfolger und stehen den Industrie Lobbys Privilegien zu. Die Auswirkungen dieser Tatlosigkeit ist, dass Umweltkonferenzen, wie in Rio de Janeiro, zu einer Farce werden – noch ehe sie begonnen haben. So wird es in der Zukunft nicht weitergehen können.

Ich befürchte aber, dass jene Herren an den geeigneten Stellen die globale Erwärmung erst dann bemerken werden, wenn die Klimaanlagen in ihren Sitzungssälen ausfallen und ihr Mineralwasser warm wird.

Bis dahin werden tropisch Regenwälder abgeholzt, Treibgase verwendet, Supertanker auflaufen und zerbersten, oder auch nur ihre Tanks mit Meerwasser waschen, neue Kernkraftwerke gebaut und kaputte alte zubetoniert.

All dies geschieht in dem Bewusstsein, dass die Sonne an jedem einzelnen Tag so viel Energie liefert, dass wir unseren Energieverbrauch noch etwas steigern müssten, was uns zweifelsohne nicht schwer fallen würde, um alles zu nützen.

Jede Initiative, die in Richtung Nutzung alternativer Energieformen geht, wird jedoch mit Auflagen und Zwängen belegt. Man wird abwarten müssen, bis das Bewusstsein sich in den Köpfen der richtigen Leute ändert, um dann noch verstärkt auf positive Veränderungen zu drängen.

Ich selbst habe mich dem „Un-welt“ Schicksal noch nicht ergeben. Mein persönliches Ziel ist nicht nur soviel wie möglich für die Umwelt zu tun, sondern auch so viele Leute wie möglich in diesem Bestreben mitzureißen. Schließlich ist es die Masse der Gleichgesinnten, die erst etwas bewirken kann. Klar ist dabei, dass jeder Mensch Kompromisse in dieser Beziehung, die eigentlich keine Kompromisse zulässt, eingeht. An diesem Faktum soll die Sache auch nicht scheitern, aber wenn jeder Mensch einen Teil für die Erhaltung und die Wiederherstellung unserer Umwelt beiträgt, sind wir auf dem richtigen Weg in die Zukunft.

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Die kleine Olive in Rovinj

Seit mehr als 10 Jahren gibt es die Konoba Ulika in Rovinj und sorgt so für die etwas andere kulinarische Erfahrung in Istrien. Von April bis Ende September wird hier von der kroatischen Gastgeberin mit ihren Köchen der adriatischen Küche das gewisse Etwas mehr abgewonnen, als gemeinhin üblich ist.

Das Versprechen „no pizza, no calamari, no cevapcici“ ist Programm, damals noch in der Vladimira Svalba gelegen, und begeistert uns fast bei jedem Besuch in Rovinj. Es wird regional typisch gekocht und logischerweise finden sich die Highlights der adriatischen Küche im Menü, werden aber nie ohne eine Idee darüber hinaus serviert.
Die Menüfolge wird wohl durchdacht und von einem reichhaltigen und erlesenen Weinangebot unterstützt (außer vielleicht am Saisonbeginn, wenn noch nicht alle Weine eingetroffen sind). Es gibt seit neuem neben der erlesenen Karte 2 Degustationsmenüs, ein kleineres und ein größeres, um die Ideen der kleinen Olive zu transportieren.

Auf individuelle Wünsche wird dabei zwar auch eingegangen, denn Unverträglichkeiten oder etwa echte Allergien werden Ernst genommen, aber man lässt hier nicht zu, ohne guten Grund ein Filet Wellington in ein veganes Gericht zu verwandeln – die kroatische Gastgeberin ist stolz und Recht hat sie außerdem.

Genießer können sich aber getrost von den Protagonisten verwöhnen lassen, denn die Freuden über das köstliche Essen werden von den überwiegenden Reaktionen der Gäste  bestätigt. Unfälle können natürlich passieren – wobei manche Kritik oder Nörglerei schon den Gast selbst als Unfall entlarvt.

Das Ambiente ist nach dem Geschmack der Gastgeberin und bietet Behaglichkeit. Es kann im Frühjahr mangels Heizung auch frisch sein, am besten ist sich gegen ein nicht mehr ganz so laues Lüftchen am Nachhauseweg zu wappnen – das kann auch im Lokal die Behaglichkeit noch steigern. Die Musik kann von klassisch bis jazzig alles sein, nur keine Popmusik (weder kroatisch noch internationale).

Alles in allem ein sehr feine Adresse in Rovijn, sehr individuell und persönlich. Wir freuen uns auf viele Gelegenheiten.

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Gefüllte Ziege für ca. 100 Personen

Man lade ca. 100 Personen zu einem Fest des Feuers (und der Freunde) und binde die Gäste in verschiedene Aktivitäten zum Thema ein, wie etwa einen Kohlenmeiler bauen oder einer heißen Band zuhören, damit Gäste aller Altersstufen und Vorlieben kurzweilige Stunden verbringen können.

Zutaten (bio oder noch besser, wenn möglich) :
1 steirische Scheckenziege, 6 Monate alt, gut abgehangen
1 Truthan
1 Fasan
20 Wachteleier
100 Datteln
20 Bananenblätter
1 Flasche Cognac
noch eine Flasche Cognac (für alle Fälle)
diverse Gewürze

Bereits einen Tag vor dem Fest grabe man ein Feuerloch und errichte ein großes Lagerfeuer; so groß, dass die Grube in ein Flammenmeer verwandelt wird. Die Ausmaße der Grube orientiere sich sinnvollerweise am vorgesehenen Gargut, sodass ausreichend Glutraum (ca. 10-20 cm) allerseits verbleibe. Die Tiefe entspreche etwa der Dicke des Gargutes, der Aushub verbleibe rundum nahe der Grube. Es ist ratsam die Feuersbrunst über mindestens 2 Stunden lodernd zu halten, damit der anstehende Boden bestens vorgewärmt wird und Feuchtigkeit verdampft. Die Wahl der Grubenlage orientiere sich ebenso an möglichst trockenen Verhältnissen.

Der erfahrene Chef der Erdgrube vergesse keinesfalls auf den Wasserbau und errichte Ableitungsmulden für den Wasserfall! Nach getaner Arbeit reinige das Küchenpersonal Minibagger und Mischmaschine und verstaue diese essentiellen Küchengeräte zweckdienlich. Ölbindemittel sind in der Küche jedenfalls bereitzuhalten.

Man vermenge nun eine Füllung aus alten Semmeln, Eiern, etwas Mehl, Milch und feinem Cognac und würze mit Salz und feinsten Kräutern. Die Wachteleier separat hart kochen und mit den entkernten Datteln der Füllung beimengen. Den Fasan hiermit füllen, den Truthahn mit dem gefüllten Fasan füllen, sodann die steirische Scheckenziege mit dem gefüllten Truthahn füllen sowie etwaige Hohlräume mit der verbleibenden Füllung.

Die gefüllte Ziege sodann mit Draht zu einem kompakten Paket verschnüren, wobei sich empfiehlt nicht sonderlich zimperlich mit den abstehenden Extremitäten umzugehen und diese zum Abdichtung gefährdeter Baubereiche heranzuziehen. Wenn einzelne Extremitäten dabei verloren gehen liegt das möglicherweise an der langen Garzeit der Hauptattraktion. Diese Teile tauchen verhofft als Zwischenmalzeit wieder aus nahen Backrohren auf. Es empfiehlt außerdem sich eine ausreichend große „Opferschicht, beispielsweise ein Schweinsschwarte“ vor der gefüllten Bauchhöhle zu fixieren. Diese liegt später gefährdet nahe an der unmittelbaren Grenze zum Glutraum und verbrennt wahrscheinlich.

Neben der nun nicht mehr lodernden Feuerstelle ein Drahtgeflecht für den Transport zu- und von der Feuerstelle ausbreiten. Die Bananenblätter darauf flächig auflegen. Dann eine ca. 3 cm dicke Lehmschicht (aus deutlich plastischem Lehmboden) geschlossen und flächig ausbreiten, womit später die gefüllten Ziege bedeckt werden soll. Auf die Lehmschicht gleichmäßig Gewürze verteilen.

Die gefüllte Ziege zentral auf den Lehm betten und mit dem Drahtgeflecht und den Bananenblättern den vorbereiteten Mantel rund um die Ziege schließen. Löcher sind mit Lehm zu verschließen und der ganze Mantel ist mit etwas Wasser glattzustreichen. Zur Freude über die gelungene Umhüllung mit den Helfern anstoßen und den Flüssigkeitsverlust mit Elektrolyten ausgleichen denn, es folgt die heiße Phase.

In der glühende Grube eine Mulde räumen in der die gefüllte Ziege Platz finden kann. Es empfiehlt sich eine möglichst lange Lederschürze, Lederschuhe und Lederhandschuhe zu tragen. Die heiße Glut rund um die Mulde anhäufen, damit diese nachher wieder über das Gargut verteilt werden kann. Die gefüllte und verpackte Ziege am Drahtgeflecht anheben und in die Glut einbetten. Die ringsum angehäufte Glut andecken und mit dem Erdaushub das Feuerbett weiter einschließen. Einige Zeit kann nun weiter Brennholz zugeführt werden, wobei Stöße von nun an tunlichst zu vermeiden sind.

Auf die Uhr sehen und die Entnahme nach ca. 16 Stunden anberaumen. Den Helfern Dank aussprechen und den fortgeschrittenen Flüssigkeitsverlust wiederum ausgleichen.

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Nach Ablauf der Frist die glühenden Kohlen vorsichtig beiseite streichen und die gefüllte Ziege mit dem Drahtgeflecht auf eine vorbereitete Platte legen. Das Drahtgeflecht an einer Längesseite entfernen und das Gargut sanft um 180 Grad drehen, sodass Oberstes  unten und Unterstes oben liegt. Den Tonmantel hiernach vorsichtig entfernen.

Die Düfte der fertiggegarten Ziege erreichen in diesem Moment die Geruchsrezeptoren des Hauptprojektverantwortlichen in angenehmster Weise und nach feinsten Kräutern und Cognac duftend. Eine leicht rauchige Note kann nach der ersten Kostprobe ausgemacht werden.

Im Dienste der Ästhetik ist die gefüllte Ziege nun mit äußerster Vorsicht und Fachwissen zu tranchieren. Auf ein Schneidwerkzeug kann im Wesentlichen verzichtet werden, weil gerade die Konsistenz des Gargutes an Zartheit nicht übertroffen werden kann. Da dies aber bei unsachgemäßer Handhabe bald zu einem zerschlissenen Ergebnis führt, (was in moderner Eventgastronomie heutzutage gern gesehen wird aber wir hier nicht kommentieren wollen) legen wir äußerstes Augenmerk auf dieses Detail. Alle Knochen fallen bei dieser Garmethode schlicht aus dem Bild und erfordern daher keine weitere Detailbeschreibung. Wenn die rauchige Note dichter und aufdringlicher wird, so hat man alsbald die unterste Schicht erreicht, bei der die Glut Oberhand gewann und der zufolge eine ca. 1 – 2cm cm dicke Schicht als geopfert gelten muss. Dieser Anteil geht für die Ahnen später in die Verfüllung der Grube ein.

Die Begeisterung an der gefüllten Ziege für ca. 100 Personen ist nachweislich bekundet worden. Dank gilt allen die das Experiment ermöglich haben und den vielen Helfern bei Vorbereitung und Durchführung.
Dank retrospektiv auch an Mungo P. und den Schriftsteller T. C. Boyle, der dessen Erlebnisse im Roman Wassermusik festgehalten hat und Ideenspender hierfür war.

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… als Beilage Krautsalat servieren …

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Mohrenwirt neu

Es ist nicht notwendig den Mohrenwirt (Mariahilferstraße 16, Graz) aus vergangenen Tagen zu kennen. Die Stammgäste scheinen dem Lokal die Treue gehalten zu haben und sind unschwer in der neuen Mischung von Bekanntem, Neuem und Bizarrem auszumachen.

Im Herbst 2015 wurde im Lokal renoviert und die Fenstergucker waren gespannt auf die Neugestaltung. Auffällig ist dabei die geringen Eingriffe in das Mobiliar. Die Aufteilung des Lokals und die Bar sind im wesentlichen gleich geblieben und auch die Lamperie umrahmt beide Gasträume wie gehabt. Davor wurde der Windfang als gläserner Verbau gestaltet, was einen offeneren ersten Eindruck der Bar erlaubt. Keine verwinkelten Stammtische mehr, sondern freundlich überschaubares Ambiente.

Im zweiten Raum sind neben den vertrauten Tischkojen vor allem die freigelegte Decke zu bewundern und die spartanisch wie bizarre Ausstattung mit Bildern. Die Decke zeigt unkenntliche Reste eine Deckengemäldes wobei die Farbmischung und die Beleuchtung die Blicke immer wieder nach oben zieht. Das weiße Band der Wand oberhalb der Lamperie indes zeigt uns Bilder religiöser, barocker und was weiß ich noch welcher Art. Der i-Tupfen ist das rote Herz an der Tür zu den Sanitärräumen. Neben der bizarren Bildauswahl ist auch noch die Musik zu erwähnen. Eine «Auswahl» umschallt die Gäste, welche dieselben wohl zuhause nicht im Programm haben. Die Kombination mit den vermeintlichen Stammgästen lässt sich eben auch als bizarr beschreiben.

Die Bewirtung nach einer Neueröffnung muss noch nicht ideal zusammengespielt sein. Verdursten oder verhungern zählt ja nicht zu den großen Gefahren unserer Zeit. Die Karte versucht an die Tradition anzuknüpfen aber auch die eine oder andere Augenbraue der Gäste zu bewegen. Neuland wird dabei aber keines vermessen und die Preise sind angeblich moderat höher als einst. Das Masala Huhn mit Polentaschnitten ware jedenfalls zart und wohl komponiert. Die Bitte nach einem Supplement der Masala Sauce wurde umgehend und nicht nur mit dem begehrten Nachschlag sondern auch mit einem wohlwollenden Besuch des Chefs quittiert. Es spricht für ein Lokal, wenn die handelnden Personen sich die Zeit nehmen um ein bisschen mit den Gästen zu plaudern.

Die Nachspeise hat mit dem regionalen Bezug der Käseauswahl gepunktet und erntet dabei nur eine Kritik, dass die Produzenten nicht genannt werden. Gut waren die Käse allesamt und das gereichte Brot war auch jenseits des aufgebackenen Einkaufszentrenbackbox Standards.

Die Zutaten scheinen also mit Bedacht gewählt zu werden, was zum besten zählt, dass man über ein selbstbewusstes Team sagen kann. Eine Empfehlung, 8020 Mariahilferstrasse 16!

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Durstig in Dushanbe

In die Hauptstadt von Tadjikistan kommt, wer entlang der Seidenstraße reist oder die kargen Berg- und Flusslandschaften des Pamirs liebt oder in Zentralasien dem Handel oder andere Projekten nachgeht. Letzteres durfte ich im Rahmen eines Wasserprojekts in der Hauptstadt Dushanbe insgesamt ca. 6 Wochen lang machen.

Mit dem Flugzeug führte meine Anreise und Rückreise über Russland, was aufgrund von Verzögerungen bei der Rückreise und eines tagesbezogenen Transitvisas für Erschwernisse sorgte, aber davon ein andermal.

Die Landebahn in Dushanbe liegt praktisch in direkter Verlängerung eines der großzügigen Boulevards, die die nicht besonders große Hauptstadt durchmessen. Man könnte mit dem Fahrrad ins Stadtzentrum fahren und würde keine 15 Minuten dafür brauchen. Zur Zeit meiner Besuche 2006 war der Flughafen überschaubar klein und der Betrieb damals durch eine sympathische Nachlässigkeit geprägt. Es herrschte noch keine Terrorangst, die Taliban formierten sich nach dem amerikanischen Einschreiten 2001 neu, taten dies aber nicht in Tadjikistan.  Zumindest war kein autoritäres Regiment über den Flughafen bemerkbar.  Mit den Gepäckförderbändern kamen neben den eingecheckten Koffern kamen auch gleichzeitig bereits die Kofferträger. Vermutlich gingen durch die mit schweren Gummimatten abgedeckten Ein- und Ausgänge der Förderbänder mehr Personen aus und ein als durch die Sicherheitsschleuse mit Pass- und Visumskontrolle.

Das Mitführen verdächtiger elektronischen Geräte, in meinem Fall ein induktiver Durchflussmesser für Trinkwasserrohre, wurde von den Zollbeamten kritisch beäugt und ohne die vorausschauende Bestätigung der Tajikischen Botschaft in Österreich, wäre wohl auch die Einreise erheblich erschwert gewesen. So aber war nach kurzer Inspektion alles in Ordnung und ich wurde vom Leiter unseres Büros in Dushanbe Hr. Rajabali mit freundlichen Lächeln und wenigen Worten in English empfangen. Eine junge Englisch – Dolmetscherin stand ihm zur Seite und überragte ihn um Kopfhöhe.

Mein Verbindungsingenieur in Dushanbe war seinem Aussehen nach nicht russischer Herkunft, hätte auf einem Pferd in traditioneller Tracht der Völker der innerasiatischen Hochebenen eine ausgezeichnete Figur gemacht und trug einen traditionellen Bart. Mein erfreuter erster Eindruck hat mich nicht getäuscht und es hat sich während der beiden Besuche in Dushanbe eine Freundschaft entwickelt.  Am Ende haben wir sogar im lokalen Fußballteam miteinander gespielt und er hat mir die wenigen kulturellen Eindrücke meines Aufenthalts ermöglicht.

Auch der erste Eindruck in der Stadt mit ihren großzügigen Alleen, die durch jeweils 2 Baumzeilen an beiden Seiten unterteilt wurden, war ein freundlicher wiewohl etwas verstaubter. Die Häuser sind größtenteils grau oder graubraun mit wenig Verzierungen oder Farben. In den trockenen Monaten fegen Sandstürme durch die Stadt und der feine Sand und Staub aus den kargen Tallandschaften der Umgebung bildet auch in den restlichen Zeiten die Patina der Stadt. Die Farben sind den Menschen vorbehalten, die sie mit ihren traditionellen bunten Kleidern tragen. Gebäude dienen rein dem Zweck und selbst Prunkbauten dürfen allenfalls  bei einem staatstragenden Anlass auf farblichen Schmuck hoffen.

Es ist verständlich, dass in der kargen Hochlandschaft Wasser als luxuriöses Gut betrachtet wird. Springbrunnen zeugen an den Kreuzungen und im reicheren Villenviertel von Reichtum und dienen dem Stolz, sich das Wasser Untertan gemacht zu haben. In den Städten wird mit offen zutage liegenden Rohrleitungen und Pumpen geprotzt. Die ländlichen Regionen sind durch offene Bewässerungskanäle, Aufteilungsbauwerke, Schleusen und Windhebewerke versehen, welche allesamt dazu dienen, das Wasser für die Bewässerung zu verteilen. Auf den grobkörnigen Böden, die trotz aller Bemühungen wenige Humusauflage hervorbringen, ist die essentiell und die wichtigste landwirtschaftliche Kulturtechnik.

Der Weg in die Stadt führt ausgehend von den unbefestigten Landstraßen zu den großzügigen mehrspurigen Boulevards. In der Stadt wohnen die Beamten der Verwaltung und die sich erst entfaltende Dienstleistungsgesellschaft.
Tadjikistan lebt von großen Aluminiumvorkommen  und von der Wasserkraft. Der Nurek Staudamm ist der Stolz der Tadjiken und liefert 20% des gesamten Exports in Form von Strom. Industrie und Gewerbe sind schwach ausgebildet, die Rohstoffvorräte an seltenen Erden und auch Uran bieten nur wenigen Menschen Arbeit in den Minen, ungleich mehr profitieren vermutlich die Eigentümer der Lagerstätten. Der Wohlstand beschränkt sich auf jene Schicht mit guten Verbindungen zu den Machthabern. Die Massen am Land und auch in der Hauptstadt sind arm.

Die wenigen Menschen auf den Straßen der Hauptstadt tummeln sich zielstrebig entlang der Gehsteige. Keine Einkaufszentren oder Fußgängerzonen weit und breit. Ab und zu bietet ein Bäcker, Friseur oder Tabakladen Dienstleistungen und Waren an, aber ansonst lockt keine international bekannte Marke die zahlungsschwachen Einwohner der Hauptstadt.

Die Bewohner begeben sich lieber in die traditionelleren Märkte, die noch nicht durch die stadtplanerischen Aktivitäten verdrängt wurden. Kleine Geschäfte ducken sich Tür an Tür und jeder Zentimeter wird durch die ausgestellten Waren abgedeckt. Billiger Ramsch größtenteils, der aus dem Nachbarland China in großer Menge am Landweg nach Tadjikistan kommt. Decken, Kosmetikartikeln, Gewand, Fußballtrikots, Radiogeräte, Mobilelephone, Uhren, Kurzwaren und Schuhe – mitunter auch noch ein Handwerker – Schuster mit Hammerstuhl und kleiner Werkstätte, wechseln sich ab in den aufgrund ihrer Enge leicht blockierten Wegen durch den Markt.

Getrennt davon findet man die Lebensmittelhändler, Bäcker und Fleischer in den eigenen Vierteln. Besonders gute Qualität der Waren wird mit den getrockneten Früchten, Marillen vorallem, aber auch Zwetschken und Datteln, erreicht. Trocknen ist in dieser Gegend ganz offensichtlich das beste Mittel zur Konservierung und so findet man auch eine Auswahl von getrocknetem Fleisch und Fisch.

Zur Unterstützung der Trocknung wird auch häufig Salz oder Zucker verwendet. Beides führt nach dem Verzehr zu mehr oder weniger großem Durst und so sind folgerichtig an den Ecken der Märkte, neben den Kebabbuden bzw. den diversen Imbissständen für die hungrigen Besucher auch ehrliche Trinkhallen angeordnet.
Und wie gut die tadjikischen Biere waren, kann sich ein mittelmäßiger europäischer Biertrinker gar nicht vorstellen. Keine internationalen Brauereikonzerne interessierten sich damals für den tadjikischen Markt und daher findet man vermutlich auch heute noch eine Vielzahl von verschiedenen regionalen Sorten.

Kleine Nationale Brauereien haben den Markt in Händen und brauen goldgelbe bis caramelbraune trübe Zwickelbiere. Der Hopfen steht nicht im Vordergrund dieser Brausorten, sondern der Geschmack des Malzes. Später habe ich mich gefragt, ob überhaupt Hopfen für die Würze verwendet wurde oder vielleicht der nicht minder würzige Hanf im Spiel war und  kein unbekanntes Gewächs in Zentralasien ist.

Jedenfalls war die trockene Kehle so über das goldgelbe Getränk erfreut, sodass in kurzer Zeit mehrere Gläser geleert wurden und wie überall in der Welt haben die Kohlensäureperlen die verkrusteten Verhältnisse gelockert und ein soziales Verständnis sowie eine universelle Sprache kam zur Anwendung, dass es eine helle Freude war. Die Einsamkeit verging für ein paar Stunden und man erfuhr mit Händen und Füßen etwas über die lokalen Verhältnisse. Merken kann man sich die im Detail zwar nicht, aber es bleibt ein kleiner Rest jener Freude, mit der man gemeinsam sein Glas geleert hat und welche man bei nächster Gelegenheit zu ergänzen gedenkt.

Und so kann ich zurückblickend berichten, dass Durst in der Hauptstadt von Tadjikistan, Dushanbe zu einer überraschend positiven Wendung eines ansonsten eher trist anmutenden Nachmittags geführt hat, die eine bis weit in den Abend führende Annäherung von verschiedenen Kulturen ermöglichte und mit dieser Wirkung immer wieder neu angestrebt werden müsste.

 

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Travellers Rest, Kisoro

Wie es einst gewesen ist, kann ich leider nur aus zweiter Hand berichten. Das Hauptgebäude soll ein großer Gral mit einem steilen rußgeschwärzten Strohdach gewesen sein. Die Frauen haben sich bei Regenwetter schwatzend und lachend rund ums Feuer versammelt, während vom undichten Dach hin- und wieder dicke Tropfen auf den Lehmboden gefallen sind. Die Geschichten des Tages, von der Feldarbeit, vielleicht von den wenigen Weißen in der Gegend und von vergangener Zeit sind erzählt worden. Der Geruch von Kochbananen und kräftigem Rindereintopf hätte sich mit dem Rauch des Feuers vermischt . Ich wäre gerne zu dieser Zeit Gast gewesen, im Travellers Rest in Kisoro.

Meine Erinnerungen stammen aus den Jahren 2000 bis 2006, als die asphaltierte Straße von der Hauptstadt in Kampala bis nach Kabale, einst Distrikts- Hauptstadt im Hochland von Kigezi, reichte. Damals habe ich zunächst als Zivildiener und später als Wasserwirtschaftsingenieur in der Gegend gearbeitet. Meine Ansichten sind die eines Besuchers, der Landschaft und Leute in sein Herz geschlossen hat. Aber Vorsicht ist geboten, denn allen Liebenden ist gemeinsam, dass ihr Blick für das Objekt ein Verschwommener sein kann und so sollen meine Schilderungen nur dazu dienen einen Eindruck zu erwecken.

Das Hochland von Kigezi liegt auf über 2000 m Meereshöhe woraus sich die Vulkankette der Virungas emporhebt und sich tief in den Kongo (DRC) hinein zieht. Mgahinga, Muhavira, Sabinho, Karisimbi, … Sie verbinden die Grenzregion von Rwanda, Uganda und dem Kongo, indem sie die Landschaft überragen und die Gewitter um ihre Gipfel noch sichbar sind, wo schon längst keine Regentropfen mehr fallen.
Die Vulkankette liegt am westlichen Ast des ostafrikanischen Grabenbruchsystems, dass sich um den Viktoriasee spannt. Der Verlauf dieses geologischen Bruches lässt sich an der Kette großen Seen um den Viktoriasee nachvollziehen.

Vom Ufer des Viktoriasees, im Herzen des großen alten Kontinents, steigt das Land zunächst unmerklich aus den feuchten Papyrussümpfen hinauf zu den großen Grasebenen der Hochebene von Ankole. Mit dem Auto quert man in wenigen Stunden Regionen die schon aufgrund der logischen Grundnahrungsmittel – hier Fisch, dort Vieh – verschiedene Gesellschaften hervorbringen mussten, bevor  man nach Mbarara kommt. Aus dieser Region und einem Stamm der Viehhüter (Hima) stammt auch der Gründer des modernen Ugandas Yoweri Museveni. Die ausgedehnte Graslandschaft wird von versprengten Ankole Rinderherden geprägt. Die Landschaft fliegt vorbei und die asphaltierte Straße strebt unaufhaltsam einer ersten Passhöhe zu, auf der sich unerwartet und plötzlich für den Besucher ein wahrlich majestätischer Vulkankegel den Horizont dominiert, als wache dieser über die nun vor einem liegende Landschaft.

Die Hänge der Vulkane sind dunkel und ganz anders als die umliegende Hügellandschaft. Bis hierher zum Sattel, der den atemberaubenden Ausblick gewährt, und noch weiter bis zum Fuß der noch ca. 50km Luftlinie entfernten Vulkane haben die Einwohner den Boden mit harter Arbeit und einfachen Werkzeugen dem einst übermächtigen Wald entrissen, um Ackerbau zu treiben. Wiederum wandelt sich hier die Gesellschaft von den Viehhütern zum Ackerbauern. Zurückgedrängt wurden damit auch die nur mehr kleine Gruppe der Waldjäger, das Volk der Batwa oder Pygmäen.

Erst die Kraft der stetig wachsenden Bevölkerung und der Einsatz moderner Maschinen und Techniken, haben den Wald zurückgedrängt. Nur die steilsten Hänge sind vor dem Zugriff geschützt. Unbebautes Land verwächst in kurzer Zeit und so sehen die Grenzen der hier schon 1925 enstandenen Nationalparks so aus als wären sie mit dem Rasiermesser geschnitten. Wald wird von den snsässigen Ackerbauern in dieser Gegend noch oft feindlich angesehen, weil er die Grundlagen des Lebens raubt. Bananen, Hirse, Sorgum, Erdäpfel, Kaffee, Cassawa und Tee sind hier die Grundnahrungsmittel und Grundlage des Wirtschaftens. Der Wald auf den Vulkanflanken scheint so wie eine Front gegenüber der von Osten herandrängenden Bevölkerung. Vom Fuß der Berge bis tief in den Kongo ist der Wald noch immer dominierend und bietet das letzte Refugium für die Gorillas.

Aber zunächst geht es noch einmal vom Pass in die Tiefe in die Hauptstadt Kabale, Heimat der Tschiga. Hier zweigt eine Hauptverkehrsstrecke nach Kigali, Rwanda und endete die asphaltierte Straße nach Osten. Es ist eine Stadt mit langer Tradition, regem Handel und großer Lebensfreude. Über der Stadt auf einer kleinen Anhöhe ruht das alte koloniale White Horse Inn Hotel mit englischem Rasen und einer fantastischen Gartenanlage. Kabale ist als Handels- und Durchzugsstadt mit zahlreichen einfachen Restaurants, geschickten indischen Händlern, Bäckerei, und allem Möglichen ausgestattet. Man kann hier in die Sauna gehen oder der lokalen Radiostation lauschen. Aber wird versorgen uns in Kabale vielleicht nur mit dem ausgezeichneten lokalen Käse bevor wir die letzte Etappe bis nach Kisoro in Angriff nehmen.

Von Kabale gibt es zwei Varianten nach Kisoro zu fahren. Die schönere führt entlang dem Lake Bunyoni, der hinter dem nächsten Hügelkamm im Westen liegt. Der See ist tief und füllt die unzähligen Gräben wie ein weitverzweigter Ast eines Baumes und schließt mit jeweils einer freundlich rundlichen Bucht am Ende des Seitenasts. Hier ist auch die Sorge vor der Billharziose unbegründet, weil der See zu hoch (~2000 m) liegt für die Schnecken, die die Erreger übertragen. Die Straße ist unbefestigt und kann sich nach Regenfällen in eine aufgeweichte Masse verwandeln, die den Rädern ausweicht ohne einen Zentimeter vorwärts zu kommen. Auskunft über den Zustand der Straße ist also vor Abfahrt ratsam. Die Tankstellen in Kabale eignen sich als Informationsquelle.
Der Ausfluss des Sees liegt an jenem Punkt, wo wir die Straße dessen Ufer verlässt. Hier kann man sich noch mit Flusskrebsen eindecken, wenn man möchte.

Die Fahrt führt immer kühner an den Hängen entlang. Die Vulkankette, die von weitem noch als Kette erkennbar war, wird von den übermächtigen ersten drei Gipfeln verstellt. Nach der letzen Abfahrt ragen nur mehr kleine Hügeln mit wenigen 100m Höhenunterschied aus der Landschaft. Die seit Kabale eher spärlichen Siedlungen kehren wieder zurück. Dann quert man plötzlich ein asphaltierte Rollbahn. Ein Flugplatz ohne Terminal, ohne Flughafenlichte, ohne Geschäfte. Ein Zweckflughafen, einst eingerichtet von der UNO, um die Flüchtlinge nach dem Genozid in Rwanda versorgen zu können. Auf den Wiesen linker Hand bevor man die Landebahn quert, sind für gute Beobachter noch die Einrichtungen (Versorgungsleitungen, Gebäude) für die Flüchtlinge erkennbar.

5 Minuten später rollt man auf die erste Kreuzung von Kisoro zu. Das Skyblue Hotel, Tankstelle, das Kisoro Beekeeping Projekt, der Park zwischen den beiden Richtungsfahrbahnen, die Anordnung ist der Willkommensgruß in meiner Erinnerung. Wir fahren an der rechten Seite entlang der Geschäfte in Richtung Lake Mutanda. Links tauchen die Gebäude des Town Councils auf und schon kommt die Geländestufe an deren oberen Ende sich das Büro des Nationalparks befindet. Ob sich die Berggorillas auf dem Territorum von Uganda befinden erfahren wir hier und können das Gorilla Trekking hier buchen.

Nach links biegen wir aber vorerst ein letztes Mal ab und sehen die Einfahrtstafel – Kisoro Travellers Rest. Nach 2 stündiger FAhrt von Kabale, über grober SChotterstraßen mit zahlreichen Schlaglöchern sind wir durchgerüttelt und durstig. Das Travellers Rest Hotel empfängt uns mit hellem Holz und gekalkten weißen Wänden. Die offenen Feuerstellen von früher sind in die Küche verschoben und dem rußigen Ambiente ist Helle und Freiheit gewichten. Der zentral Raum, indem wir uns eingangs die Frauen um die Feuerstelle vorgestellt haben, ist erhalten geblieben. Die Dachkonstruktion liegt offen über uns und hält in diesen Tagen auch sicher die starken Regenfälle ab.

Vor dem Kamin sind gemütliche Lounge-Sessel aufgestellt, von denen man seine müden Beine ausstrecken kann. Ausstrecken ist nach der Anfahrt nötig und müde Beine garantieren die anspruchsvollen Aufstiege von mindestens 1000 Höhenmeter auf den kleinsten und ältesten der Vulkane Mt. Sabinyo. Dieser ist schon so alt, dass seine Kaldera brüchig ist und folgerichtig sein Name „old mans teath“ bedeutet, wie mir die strahlende Barfrau erzählt.
Hier hat also auch die berühmte Primatologin Diane Fossey ihre zeitweise Bleibe gehabt. Obwohl ihre Anwesenheit genügend Unfrieden gestiftet hat, so ist heute durch die Bewahrung der Art der Bergorillas und ihres Lebensraumes doch ein Anziehungspunkt für die zahlreichen Gäste und derart auch Teil der Lebensgrundlage der heutigen Bewohner.

Die Sonne geht hinter den mächtigen Vulkanflanken unter und das offene Feuer prasselt angenehm vor unseren Augen. Der bestellte Masalatee mit Ingwer wird eben serviert und ein herrliches gekochte Ankole Rind mit Matoke (Kochbanane) und Dodo (Spinat?) sende schon seine olfaktorische Grüße aus der Küche. Wenn man die Augen schließt hört man das Gelächter der Küchenfrauschaft und man wünscht sich beinahe, jetzt wo man sicher vor dem offenen Feuer sitzt, dass dicke Regentropfen auf das Strohdach prasseln würde.

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max. 565 Giga Tonnen CO2 für +2°C

Nach nun bald 20 Jahren Klimadebatte ist es Zeit die heutigen Staats- und Regierungschefs dafür verantwortlich zu machen, dass die allseits bekannten (BP, Exxon, Shell, Gazprom, …) und die weniger bekannten (Chevron, ConocoPhillips, BHP Billiton, Peabody,…) Unternehmen ihre fossilen Brennstoffe ohne Rücksicht auf die Allgemeinheit und die Umweltschäden verbrennen dürfen.
Den erwarteten gigantischen Gewinnen dieser Unternehmen stehen jene Auswirkungen gegenüber, die die Verbrennung der bereits genutzten ca. 470 Giga Tonnen CO2 verursacht haben und die noch in diversen Lagerstätten vorhandenen 2795 Giga Tonnen CO2 verursachen werden. Es sind die Folgen des Klimawandels, deren Auswirkungen wir immer deutlicher spüren und deren Verschlimmerung jährlich dramatischer prognostiziert werden.

+0.8 °C haben wir bereits erreicht und die Prognosen für die Erreichung der maximal verträglichen Menge  565 Giga Tonnen CO2 in der Atmosphäre deuten derzeit auf 2030.
Man kann sich im Grunde die Auswirkungen ganz einfach vorstellen. Wärmere Luft kann mehr Wasser aufnehmen. Über den Meeren sammelt sich durch die bereits verursachte Erwärmung 5% mehr Feuchtigkeit in der Luft als noch vor einigen Jahrzehnten. Diese Feuchtigkeit wird irgendwo als Regen fallen und das heftiger als bisher weil ja mehr Energie in dieser Atmosphäre steckt! Die Gegenden ohne Feuchtigkeit werden ganz einfach wärmer, trockener, wüster.

CO2 in der Atmosphäre ist demnach ab sofort als Abfall zu betrachten und die Verschmutzung muss vermieden werden. Damit fangen wir besser heute als morgen an. Es kann keiner sagen es wäre nicht bekannt.

Wer also wissen will, wer die Zeichen der Zeit ignoriert hat, der kann auf der Seite http://www.rulers.org nachlesen. Ich denke persönlich die Zeit des: naja und ob nicht eh…, wird schon nicht so schlimm werden… ist vorbei. In wenigen Jahren werden alle anderen Probleme gering erscheinen.

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